Carnaval in Rio de Janeiro – mittendrin statt nur dabei

Von Itacaré fliegen wir zurück nach Rio de Janeiro (lese auch Teil 1). Dieses Mal wohnen wir in einem Airbnb (Gemütlich und zentral. von Sergio), da wir erst vor 3 Wochen eine Unterkunft gesucht haben und die Hotels eher teuer sind zu dieser Zeit (aber es ist dennoch möglich relativ kurz vor dem Carnaval etwas zu finden).

Die Unterkunft

Unser Airbnb liegt zwischen dem Ausgangsviertel Lapa und Centro. Unser Gastgeber empfängt uns herzlich, er hat sogar den Kühlschrank für uns mit allem was man braucht gefüllt. Danach kommt er mit uns noch kurz vor die Tür und zeigt uns die Umgebung, wo wir essen können und wo in der Umgebung welche Carnaval -Attraktionen stattfinden.

 

Wir tasten uns ran

Den ersten Abend wollen wir langsam angehen. Wir gehen in das Restaurant Brasinha Centro, welches gleich neben unserer Unterkunft ist. Das Essen schmackt sehr gut und ist günstig. Schon im Restaurant sitzen viele sehr betrunkene, glitzernde, halb nackige Menschen. Es dauert nicht lange bis wir angequatscht werden. Leider verstehen wir nicht viel, doch der Mann hört einfach nicht auf zu sprechen. Zum Schluss schenkt er uns noch eine DVD. Auf der Vorderseite sehen wir seinen Kollegen abgebildet (welcher nicht so erfreut darüber ist, dass sein Kumpel uns die DVD geschenkt hat).

 

Nach dem Essen gehen wir zum Platz beim Theater. Hier gibt es eine Bühne mit Sänger und Band. Getrunken wird hauptsächlich Bier und nicht wie erwartet Caipirinha. Das wohl beliebteste Accessoir sind Tütü, auch für Männer!

Lapa

Von hier gehen wir zurück nach Lapa. Auf dem Platz vor dem Aqueduto da Carioca sind einige Stände aufgestellt. Es gibt Bier, Wasser, Snacks und allerlei Kostümaccessoirs zu kaufen. Hier stinkt es jedoch grässlich, der ganze Platz vor und die Strasse nach dem Viadukt stinken nach Urin. So etwas wiederliches haben wir auf unserer ganzen Reise noch nicht erlebt, resp. gerochen! Schnell gehen wir weiter. Hier ist in jeder Gasse etwas los: Musik, Bier, Kostüme und tanzende Menschenmassen.

Zum Ende unserer Runde kommen wir an einer kleinen Strassenparade vorbei, hier tanzen schon die kleinsten Samba. Wir staunen, wie schnell sie ihre Beine bewegen können, unglaublich. Wie ein kleines Kind stehe ich hinter der Abschrankung und beobachte die Tänzer und Musiker fasziniert. Schade, haben wir nichts dabei um Fotos zu machen. Wir treffen noch auf einen jungen Brasilianer, er ist als Gelbfieber verkleidet, wie er uns er klärt (gelbes Tütü und ein Plüschaffe am Arm, das T-Shirt auf welchem Gelbfieber steht, trägt er schon lange nicht mehr). Der Affe soll symbolisieren, dass das Gelbfieber nicht von Affen übertragen wird und Affen Freunde des Menschen sind.

Früh (um 02:30 Uhr) gehen wir zurück. Die Parade ist immer noch in vollem Gang und die Strassen gut besucht. Unser erster Eindruck vom Carnaval: die sind verrückt! 🙂 Glitzer, Tütü und viel Haut sind ein Muss genau so wie viel Bier. Es geht wild zu und her hier am Carnaval in Rio so viel steht fest. Ich habe mir das Ganze nicht ganz so wild vorgestellt, bin jedoch schon begeistert.

Bloco Canchorro Cansado

Heute möchten wir uns so richtig ins Carnaval -Getümmel stürzen und feiern wie die Cariocas (so werden die Bewohner von Rio genannt). Um 14:00 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Lapa. Wir schauen uns zuerst noch die Viaduktbögen (beim stinkigen Urinplatz) und die farbige Treppe, die Escadaria Selaron an. Viele sind schon kostümiert und betrunken. In Rio wird in diesen Tagen nicht viel geschlafen.

Wir schlendern der Strasse entlang Richtung Flamenco Beach, unser Ziel ist ist der Bloco Canchorro Cansado, welcher um 18:00 Uhr beginnt. Überall an der Strasse gibt es Stände mit Carnaval -Artikeln, Glitzer, Masken, Kostüme (welche hauptsächlich aus Bodys und/oder Tütüs bestehen). Um etwa 19:00 Uhr warten wir am Strassenrand auf den Bloco. Wie wir später merken haben wir uns dies immer falsch vorgestellt. Wir dachten, dass sei mehr so eine Art Umzug und man schue vom Rand aus zu. Aber nein, wir wurden eines Besseren belehrt. Zwei Cariocas sprechen uns an, sie können Englisch und fragen ob wir mit ihnen mit kommen, warum nicht.

Wir sind plötzlich mittendrin

Der Umzug besteht aus einem Polizeiwagen, welcher von Polizisten umzingelt ist. Danach kommt der Laster mit der Band und den Sängern mit sehr lauten Boxen. Dahinter folgt ein weiterer Boxenwagen. Die Menschen gehen und tanzen vor, zwischen und hinter diesen drei Autos. Alle singen mit, es sind immer portugisische Lieder, teils auch religiöse und alle kennen den Text. Wir sind mittendrin statt nur dabei. Mit unseren zwei Begleiterinnen sind wir Teil der Parade. In der Menschenmasse ist es etwa 40 Grad warm, es wir viel Bier getrunken, geschwitzt und geknutscht. Hemmungen hat hier keiner mehr. Nun wird uns auch bewusst, warum es überall nach Urin stinkt. Wenn man muss, dann muss man. Vorallem Frauen lassen ihren Drängen einfach freien lauf, mitten in der Masse. Nun verstehen wir auch, was der Vorteil von Body und Tütü ist. So etwas ekliges haben wir noch nie gesehen!

Allerdings läuft das ganze sehr friedlich ab, wir sehen keine einzige Schlägerei. Klar es gibt Diebstähle wie überall, aber wir sind zum Glück nicht betroffen. Wir haben auch nichts dabei und was wir haben ist gut in den Hosentaschen verstaut. Um Mitternacht fallen wir müde und mit schmerzenden Beinen ins Bett. Morgen gehen wir zum Sambodromo, wir sind gespannt…

Sambodromo

Die Show beginnt um 21:00 Uhr und Endet um 04:00 Uhr. Wir kommen erst um ca. 22:00 Uhr, die Plätze im Grandstand Sektor 7 sind schon sehr gut gefüllt und anscheinend gibt es hier auch einige ungeschriebene Regeln. Wir haben uns Stehplätze gekauft, aber hier herrscht ein striktes Platzreservierungsreglement. Die Brasilianer bringen ihr Sitzkissen, sowie ihre Kühlbox mit Getränken und Essen mit.

 

Während die Sambaschulen durch den Sambodrom tanzen, steht man auf, tanzt und singt mit (60 min zum immer gleichen Lied, wie es uns scheint). Jede Sambaschule hat ein Lied und alle singen mit. Wenn alle stehen, gibt es auch genügend Platz. In den Pausen allerdings sitzen alle auf ihren Kissen, dann wird der Platz knapp (mit all den Kühlboxen etc). Da sind die Brasilianer dann ganz stur und verstehen nicht viel Spass. Wir haben Glück und finden ein Plätzchen. Später wird man beim Eingang sogar gefragt, ob man einen Sitzplatz hat, ansonsten wird man nicht weitergelassen (im Stehplatzsektor!?). Naja, andere Länder, andere Sitten. Zum trinken gibt es wieder Wasser und Bier.

Jede Gruppe hat ungefähr 60 Minuten bis sie durch den Sambodrom getanzt ist. Die Wagen sind riesig und bis ins kleinste Detail gestaltet. Die Tanzgruppen haben unglaublich schöne und glitzernde Kostüme, welche im Verhältnis zum Lohn sehr teuer sind. Nach jeder Sambaschule wird der Boden geputzt, sogar die Putzmänner tanzen ab und zu durch den Sambodrom.

Abschliessend würden wir sagen, dass es überhaupt keine Rolle spielt, welche Plätze man kauft. Allerdings sind die ungeraden Sektoren etwas besser, da Stehplätze weiter unten anfangen und man so näher ist. Man kann auch gut erst um 01:00 Uhr kommen, dann hat es mehr Platz und die besseren Sambaschulen kommen zum Schluss.

Orquestra Voadora

Zu unserem Abschluss besuchen wir nochmals einen Bloco. Ein etwas anderer Bloco bei einem kleinen Park. Auch hier gibt es einen Wagen, auf welchem Musik gespielt wird, allerdings ohne Sänger, was uns sehr gut gefällt. Da wir keine Lust auf das Gedränge haben, gehen wir heute nicht mit dem Wagen mit, sondern geniessen ihn aus weiterer Entfernung in der Nähe eines Caipirinhastandes.

Nach dem Umzug möchten wir noch zum Bloco Banda de Ipanema, welchen wir leider aus unbekannten Gründen (oder doch wegen der Caipirinhas?) verpassen. So sehen wir uns einfach den schönen Strand und die riesigen Wellen an. Natürlich gibt es auch hier Musik, Drinks und viele nette Menschen. So feiern und trinken wir hier noch ein wenig bevor wir wieder zur Unterkunft gehen.

Die Hauptkanevalszeit ist vorbei. Es gibt noch einige weitere Blocos und Partys, jedoch sind die Strassen wieder geöffnet und die Stadt ruhiger. Es war ein unglaubliches Erlebnis hier zu feiern, auch wenn in diesen 4 Tagen fast alle meine Vorstellungen zu Nichte gemacht wurden; es wird fast kein Caipirinha getrunken, es wird auch nicht viel Samba getanzt, es gibt auch keine Trompeten und zu wenige Trommeln. Aber schön, oder besser spannend, wars dennoch 🙂

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